Kleine Geschichte des PSV-Fußballs
Nach-Wende-Retortenverein? Nein. Selbst wenn der PSV, so wie wir ihn heute kennen, noch vergleichsweise jung ist; die Geschichte des Polizeifußballs in Ribnitz-Damgarten beginnt bereits im Herbst 1952 mit der Bildung des hiesigen Volkspolizeikreisamtes. Der damalige Leiter Oberstleutnant Hübel erhielt den Auftrag, für die dienstsportliche Betätigung der Polizisten eine eigenständige Sportgemeinschaft aufzubauen. Was anfänglich nicht mehr als Feierabendsport - oder neudeutsch: Workout - war, zog am 27. Mai 1953 die Gründung der SG Dynamo Ribnitz-Damgarten nach sich.
Die 50er Jahre waren geprägt von vereinzelten, sportlich eher unbedeutenden Serien in der 2. Kreisklasse, die immer wieder durch sporadischen Rückzug aus dem Punktspielbetrieb unterbrochen wurden. Der Erfolg für Dynamo war zu gering. Etwas erfolgreicher wurde im nächsten Jahrzehnt in der 1. Kreisklasse gespielt, um 1968 die Mannschaft erneut aus dem Wettspielbetrieb zu nehmen. Zu fußballerischen Ereignissen in den Siebzigern und Achtzigern findet sich nichts in der offiziellen Vereinschronik. Zum einen aufgrund der an anderer Stelle auch eher nur fragmentarischen Überlieferung und darüber hinaus ob der kaum nennenswerten Auftritte der Fußballer etwa im Vergleich zu den signifikant erfolgreicheren Dynamo-Kampfsportlern. Mit der Mitgliederversammlung vom 28.06.1990 wurde die Auflösung der SG Dynamo beschlossen, während gleichzeitig die Gründung des Polizeisportvereins Ribnitz-Damgarten e. V. durchgeführt wurde. Unter der Nr. 96 wird man seitdem im Vereinsregister beim Kreisgericht Ribnitz-Damgarten und unter der Nr. 20495 als ordentliches Mitglied des Landessportbundes M-V e. V. geführt. Erster Präsident des PSV war Sigmund Scholwin. Im ersten Jahresabschlussbericht wurden 1990 vom Hauptkassierer 91 Vereinsmitglieder gezählt, unter denen aber noch keine Fußballer waren.
Erst im Protokoll einer außerordentlichen Mitgliederversammlung vom September 1992 findet sich der Bericht einer positiven Entwicklung der Mitgliederzahlen, da weitere Abteilungen, unter anderem "Fußball Männer", aufgenommen wurden. Die ersten PSV-Kicker rekrutierten sich aus den Freizeitsportlern der Gebäudewirtschaft Ribnitz-Damgarten, welche bereits im Dezember `91 ihr erstes Weihnachtsturnier organisiert hatten. So wurde der Punktspielbetrieb zur Saison 1992/ 93 aufgenommen, wobei viel Lehrgeld gezahlt werden musste: man beendete die Serie ohne einen Sieg. Als größte Hürde bei der Entwicklung der Mannschaft entpuppte sich dabei natürlich das Fehlen eines Trainers, der die spielerische Qualität zu steigern vermocht hätte. Aber auch dieses Problem konnte die junge Abteilung mit der Zeit lösen, sodass sich alsbald sportliche Erfolge einstellten, die dem Mitgliederzulauf zuträglich waren. Im Dezember 1995 spricht der Rechenschaftsbericht von 50 PSV-Fußballern verteilt auf die 1. Männermannschaft, ein Freizeitliga-Team und Nicht-Aktive.
Während sich der Männerbereich beim PSV zusehends entwickelte, konzentrierte sich der Nachwuchsfußball in der Stadt beim Ribnitzer SV 1919, der in jeder Altersklasse spielstarke Mannschaften im Ligabetrieb hatte. Da man seitens der RSV-Fußballer der Ansicht war, dass man Kräfte bündeln und neue Chancen nutzen sollte, beratschlagte man bereits im Juni 1997 über einen Übertritt der Abteilung zum PSV. Von 42 Anwesenden stimmten 19 für und 16 gegen einen Wechsel. Sieben Enthaltungen waren das Zünglein an der Waage, die den Übertritt vorerst nicht zustande kommen ließen. Im selben Jahr fand die III. Stadtmeisterschaft im Hallenfußball statt, bei der erstmals um einen ansehnlichen Wanderpokal, gestiftet von Bürgermeister Jürgen Borbe und Stadtpräsident Peter Warnke, gespielt wurde. Dieses Turnier hat sich seitdem zu einer festen Institution im sportlichen Jahresreigen des Polizeisportvereins und der Stadt entwickelt und ist ein beliebter Treffpunkt in den Tagen nach Weihnachten. Im Januar 1998 wurde beim RSV erneut über den Übertritt der Abteilung Fußball zum PSV debattiert und abgestimmt. Der Abstimmung ging eine hitzige Diskussion voraus, in der Für und Wider, hauptsächlich aber die Möglichkeiten, die der Vereinswechsel der Abteilung bieten würde, besprochen wurden. Letztendlich herrschte unter den Vertretern beider Vereine der Konsens, dass nur ein Zusammenschluss den Fußball in der Stadt weiterbringen würde. So wurde der Übertritt mit deutlicher Mehrheit beschlossen. Für die Junioren änderte sich bis auf die Farben nicht viel: man besaß nach wie vor eine alle Jahrgänge abdeckende und vor allem langfristig entwicklungsfähige Jugendabteilung, die alljährlich in der Lage war, Talente an größere Vereine abzugeben und die eigenen Mannschaften bis hin zur Landesliga aussichtsreich zu positionieren. Geburtenschwache Jahrgänge wurden (und werden) mittels Kooperation mit anderen Vereinen überbrückt.
Zwischenzeitlich spielte die (alte RSV- und neue PSV-) 1. Männermannschaft schon einige Jahre in der Landesliga/ Staffel Ost. Als absolutes Highlight nach dem Jahrtausendwechsel muss das Freundschaftsspiel gegen die Erstliga-Profis vom F.C. Hansa Rostock am 27.06.2001 im heimischen Stadion ?Am Bodden? gewertet werden, was zwar 0:11 (0:7) verloren ging, aber als Event für Abteilung und die etwa 4.000 Zuschauer herausragend war. Ebenfalls im Sommer 2001 fusionierte der PSV mit der traditionsreichen SG Damgarten, deren Bezirksklassemannschaft nun die neue 2. Männermannschaft bildete. Durch diesen Zusammenschluss konnte die Leistungsdichte noch einmal erhöht werden, da einige gute Fußballer dazu kamen. Schleichende Überalterung, dadurch wenig zeitgemäßer Fußball und schlicht ein glückloses Jahr bedeuteten für die "Erste" nach der Spielzeit 2001/ 2002 jedoch den Abstieg in die Bezirksliga, in der man zwei Jahre in Folge nur knapp am Wiederaufstieg vorbeischrammte. Am 29.06.2003 konnte abermals ein Spiel gegen eine Profimannschaft arrangiert werden: die Geißböcke vom 1. FC Köln begannen ihre Saisonvorbereitung vor 1.500 Ribnitzern und siegten am Ende 11:0 gegen die Elf von Trainer Reinhard Kempert.
Das dritte Bezirksligajahr sollte retrospektiv als Zäsur angesehen werden; ein erneuter Abstieg ließ sich nicht mehr verhindern. In den anschließenden zwei Bezirksklassesaisons wurde eine neue Mannschaft aufgebaut, die mit der Saison 2006/ 07 ein herausragendes Aufstiegsjahr spielte und auch die anschließende Bezirksliga nach 2 Jahren wieder Richtung Landesliga verließ, in der sie aktuell wieder sehr erfolgreich spielt. Neben der "Ersten" gibt es eine vielversprechende 2. Männermannschaft, die sich nach zwei aufeinanderfolgenden Abstiegen in den Jahren 2003 und 2004 wieder in der Kreisoberliga etablieren konnte und aktuell Ambitionen auf die Landesklasse anmeldet. Momentan sind in der Abteilung etwa 250 Fußballer in 12 Mannschaften gemeldet (Stand: Mai 2010).
Diese "Kleine PSV-Geschichte" erhebt weder den Anspruch auf Vollständigkeit, noch maßt sie sich an, historisch bzw. vereinspolitisch korrekt oder wertfrei zu sein, vielmehr soll sie geneigten Lesern und Interessierten als Aufruf dienen, sie zu komplettieren oder schwerpunktmäßig zu erweitern. Da die offizielle Vereinschronik, die diesem Text zum Teil zugrunde liegt, größere Lücken aufweist, die jüngere Geschichte nicht berücksichtigt und einige Bereiche, insbesondere die Nachwuchsabteilung, totale Leerstellen sind, ist jeder Kritiker aufgefordert, seinen Beitrag zu leisten. Langfristiges Ziel könnte durchaus ein Komplettarchiv sein. Es existieren einige Sammler, das weiß ich, nur müssen diese sich melden. Es wäre sehr schön, und würde nicht nur dieser Seite einen Mehrwert verleihen, wenn auf Fehler, inhaltliche Entstellungen oder andersartige Verbesserungen hingewiesen werden würde und mir weiteres Material, ganz egal was es auch ist, zukommen würde. Technisch sind uns dabei prinzipiell kaum Grenzen gesetzt. Bei Interesse einfach eine kurze Notiz an mich.

